Großbritanniens Kneipen-Katastrophe, Teil 2

Das Kneipensterben in Großbritannien in Zahlen (Pub-Schließungen minus Pub-Neueröffnungen):

  • 2005: 102
  • 2006: 216
  • 2007 (Rauchverbot ab 1.7.2007): 1409
  • 2008:  2000
  • 2009: 2365
  • 2010: Nach letztem Stand etwa 40 Pubs pro Woche. Hochgerechnet sind um die 2000 im ganzen Jahr zu befürchten.

Die Pubs ächzen nicht nur unter dem Rauchverbot, sondern hatten in den letzten Jahren gegen eine Vielzahl schikanöser Gesetzesmaßnahmen anzuwirtschaften. Ab 2009 spielte auch der Finanzcrash eine Rolle; in jenem Jahr war auch das Pubsterben in London auffallend hoch, dessen Lokale zuvor noch vergleichsweise glimpflich davongekommen war. Der Zusammenhang zwischen dem totalen Rauchverbot und dem Kneipensterben in Großbritannien ist aber dennoch so offensichtlich, daß die Regierung eine Untersuchung angeordnet hat. Bis zum Herbst soll ein Bericht über die Auswirkungen des Pub-Rauchverbots vorgelegt werden.

Die nackten Zahlen alleine zu betrachten reicht nicht aus, um die Folgen dieser Entwicklungen einzuschätzen. Jeder geschlossene Pub bedeutet einen Schicksalsschlag nicht nur für seinen Eigentümer oder Pächter, sondern auch für die Mitarbeiter und nicht zuletzt die Gäste. Das gilt besonders im ländlichen Raum, wo der örtliche Pub eine genauso gewichtige Rolle spielt wie in Bayern das Dorfwirtshaus. “The Pub is the Hub” ist eine gebräuchliche Redensart in Großbritannien – sinngemäß auf bayerische Verhältnisse übertragen, könnte man frei übersetzen: “Alles dreht sich um die Dorfwirtschaft.”

Das Pubsterben ist noch längst nicht beendet. Das beweist eine Durchsicht von Google-News nach aktuellen Berichten aus der britischen Lokalpresse über das Kneipensterben. Die folgende Auflistung beschränkt sich auf Berichte der letzten drei Wochen, die online auf Anhieb und mit ausdrücklicher Bezugnahme auf das Rauchverbot zu finden waren. Es ist nur die Spitze des Eisbergs.

27.6.2010 Der Club, in dem Tony Blairs New Labour ins Leben gerufen wurde, muß wegen des Rauchverbots schließen.

24.6.2010Dorfpub in Claypole, geschlossen seit August 2009.

23.6.2010 Leeds: Wie der individuelle Ruin der Betroffenen aussieht.

18.6.2010 Edinburgh: Traditions-Pub, bestehend seit 1740, muß aufgeben.

11.6.2010 Chesterton: Leerstehender Pub soll abgerissen und Wohnhäuser gebaut werden. Die Pub-Kette Tavern hatte seit 2008 vergeblich nach einem Pächter oder Käufer gesucht.

9.6.2010 Preston: Ein früher sehr beliebter Pub mußte schließen.

9.6.2010 Calderdale: Historische Pubs zum Schleuderpreis zu verkaufen.

5.6.2010 Aberdeen: Pub wird in ein Apartment-Haus umgewandelt.

Ähnliche Berichte werden auch in Bayern zu erwarten sein, sollte das totale Rauchverbot Wirklichkeit werden. Vermutlich jahrelang – in Großbritannien steht das Rauchverbot immerhin schon kurz vor seinem dritten Jahrestag, ohne daß ein Ende des Pubsterbens absehbar wäre. In Irland dauert es sogar schon seit sechs Jahren an.

Wer auch immer Ihnen weiszumachen versucht, daß durch das Rauchverbot in Bayern “weder drastische Umsatzeinbußen noch massive Arbeitsplatzverluste” zu  erwarten seien und sich dabei auf das Beispiel Großbritannien beruft: Trauen Sie ihm nicht. Fragen Sie sich lieber, welchen Grund diese Leute haben, etwas zu behaupten, das näher betrachtet, so weit von der Wahrheit entfernt ist. In Wirklichkeit ist diesen Leuten nämlich kein Preis zu hoch, den die Gastronomie, der Steuerzahler und die Gesellschaft für das von ihnen so heiß ersehnte Rauchverbot bezahlen müßten. Denn was aus den Kneipen wird, ist ihnen einfach egal. Das Rauchverbot ist ihnen eine Mission, die sie unter allen Umständen erfolgreich abschließen wollen. Ihr Kampf gegen das Rauchen ist eine Art heiliger Krieg: nicht mehr hinterfragbar, Kompromisse gänzlich unerwünscht. Und im Krieg stirbt bekanntlich als Erstes die Wahrheit.

Den Preis, den das totale Rauchverbot kosten würde, bezahlen am Ende die Bürger. Seien Sie mißtrauisch gegenüber den Beteuerungen, für das Rauchverbot müßten sie doch gar gar keinen Preis bezahlen, sondern könnten sich im Gegenteil auf die sprichwörtlichen “blühenden Landschaften” freuen – voller florierender Kneipen und Wirtshäuser, dicht gefüllt mit glücklichen und gesunden nichtrauchenden Gästen! Dieses Kitschidyll entspricht nicht dem, was in anderen Ländern nach dem totalen Rauchverbot in der Gastronomie erlebt und erfahren wurde. Bayern wird nicht aufatmen, sollte die Vision eines ausnahmslosen Rauchverbots Wirklichkeit werden – ganz im Gegenteil.

Mit einem NEIN beim Volksentscheid bleibt alles, wie es sich im letzten Jahr größtenteils gut bewährt hat: Eine komfortable Mehrheit von Nichtraucherlokalen für diejenigen, die sich in einer solchen Atmosphäre wohler fühlen, und eine kleine Minderheit von Raucherlokalen, die den Leuten gefällt, die auf die Zigarette zum Bier nicht verzichten möchten.  Jeder Gast findet in der Vielfalt der Angebote das, was er sucht. So ist es jetzt, und so sollte es auch bleiben.