WHO – fehlgeleitete Fürsorge oder knallharter Lobbyismus?

Versuch einer Bestandsaufnahme

Rasend schnell haben sich Rauchverbote in den letzten Jahren über den ganzen Globus und sogar in viele Länder der Dritten Welt verbreitet. Man staunt etwa über die Wichtigkeit, die einer strengen Rauchverbotsgesetzgebung zum Beispiel in Ländern wie Kenia beigemessen wurde.

Die durchschnittliche Lebenserwartung in Kenia liegt unter 60 Jahren. Das liegt nicht etwa daran, daß die Kenianer so exzessive Raucher sind. Im Gegenteil: Der Raucheranteil in der Bevölkerung  ist im internationalen Vergleich – wie in fast allen afrikanischen Ländern – niedrig und liegt bei 11 Prozent. Das sind nur wenige Prozentpunkte mehr, als der Bevölkerungsanteil der HIV-Infizierten ausmacht (6,7 Prozent). Elftausend Mütter sterben in Kenia jedes Jahr bei der Geburt ihrer Kinder.  Auch die Kindersterblichkeit ist in Kenia sehr hoch – jedes achte Kind stirbt vor seinem fünften Geburtstag.  Das liegt auch nicht am Passivrauch, sondern an Malaria und anderen Infektionskrankheiten, Bilharziose und anderen Parasitenerkrankungen, Aids – und an Mangel an sauberem Wasser sowie Mangelernährung.

Haben die Kenianer also keine dringenderen Probleme, als sich ausgerechnet in den Kampf gegen das Rauchen zu stürzen? Die Weltgesundheitsorganisation WHO, die Koordinationsbehörde der Vereinten Nationen für das internationale öffentliche Gesundheitswesen, scheint das so zu sehen. Die WHO spielt eine Schlüsselrolle bei dem dortigen gesetzlichen Rauchverbot, ebenso wie hierzulande. Allenfalls am Rande geht es dabei aus ihrer Perspektive um den hierzulande so gerne beschworenen „Schutz der Nichtraucher vor Passivrauch“.

FCTC-Ziel: Die „Eindämmung des Tabakgebrauchs“

Das sogenannte WHO-Rahmenübereinkommen zur Eindämmung des Tabakgebrauchs, auf Englisch: „Framework Convention on Tobacco Control“, abgekürzt FCTC, aus dem Jahre 2003 steckt hinter dem Rauchverbot in Kenia wie auch in Deutschland. Bislang 168 Staaten haben dieses Rahmenübereinkommen unterzeichnet und sich damit verpflichtet, es im eigenen Land umzusetzen. Auch die EU-Beschlüsse zum Thema Rauchen nehmen immer Bezug auf das FCTC.  Es lohnt sich, sich dieses Dokument selbst zu Gemüte zu führen, wenn man wissen will, wozu sich die Unterzeichnerstaaten der WHO gegenüber eigentlich verpflichtet haben.

Schon in der Präambel wird nicht mit Superlativen gespart, um die Folgen des Tabakkonsums zu beschreiben. Da ist die Rede von einer „Ausbreitung der Tabakepidemie“, von „verheerenden weltweiten gesundheitlichen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und umweltrelevanten Folgen“. „Tief besorgt“ ist man bei der WHO vor allem über die möglichen Folgen eines zunehmenden Tabakkonsums in Entwicklungsländern. Es wird auf Artikel 12 des am 16. Dezember 1966 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen angenommenen Internationalen Paktes über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte verwiesen. Darin ist festgelegt, dass „ein jeder ein Recht auf das für ihn erreichbare Höchstmaß an körperlicher und geistiger Gesundheit hat“.

Ein löbliches Ziel, auch wenn die meisten Länder der Welt auch nach über 60 Jahren Arbeit der WHO weit von ihm entfernt geblieben sind. Wie wäre es also damit gewesen, die für die Bekämpfung des Rauchens in Kenia verwendeten Gelder stattdessen gegen Malaria, Aids, Unterernährung und verschmutztes Wasser einzusetzen?

Die WHO – Kampf gegen selbst aufgebaute Popanze statt Krankheitsbekämpfung

Daß die WHO, eine Organisation von hohem Ansehen, sich schon seit Jahren viel lieber zum Retter vor selbst aufgebauten Popanzen aufschwingt, als sich um ihr eigentliches Ziel, „allen Völkern zur Erreichung des bestmöglichen Gesundheitszustandes zu verhelfen“, zu kümmern, ist in der Öffentlichkeit erst bekannter geworden, seit ihre unrühmliche Rolle im Fall der Schweinegrippe ans Licht kam. Die WHO hat kurzerhand die Definition des Begriff „Pandemie“ geändert, um die Welt vor einer Schweinegrippe-Pandemie warnen zu können. Galt zuvor als Pandemie eine Viruserkrankung mit einem hohen Todesfallrisiko, die sich rasend schnell ausbreitete, kommt es nach der neuen Definition auf die Tödlichkeit gar nicht mehr an.

Weltweit gaben Regierungen im Vertrauen auf das vermeintlich objektive Urteil der WHO um die 18 Milliarden Euro zur Bekämpfung der Schweinegrippe-„Pandemie“ aus. Am Ende stellte sich aber heraus, daß die Zahl der Todesfälle sogar noch unter der lag, die bei der alljährlich auftretenden normalen Grippewelle zu erwarten ist. Auch in Deutschland war das so, obwohl die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung sich den Impfkampagnen ganz verweigerte! Die hastig für teures Geld angeschafften Impfdosen blieben Ladenhüter. 

Profiteur dieser Maßnahme: Die Pharmaindustrie. Die Geschädigten: Die Steuerzahler.

Eine ähnliche Hysterie war im Jahr 2005 auch um die Vogelgrippe entstanden – ebenfalls ausgelöst durch die WHO. Es wurde vor Millionen von Toten gewarnt, eilig deckten sich die Regierungen mit Grippemitteln wie Tamiflu ein, und es geschah – nichts. Die weltweite Zahl an Vogelgrippetoten lag im niedrigen dreistelligen Bereich. Der damals zuständige Impfdirektor bei der WHO soll nach Medienberichten seit 2007 bei einem Pharmakonzern beschäftigt sein.  Seiner Nachfolgerin werden ebenfalls gute Verbindungen zur Pharmaindustrie nachgesagt.  Auch die BUKO-Pharmakampagne, Herausgeber eines kritischen Informationsbriefs über die Pharmaindustrie, beschuldigt die WHO, von Big Pharma beeinflußt zu sein.

Epidemien, wohin man schaut

Unter einer Epidemie versteht man als Normalbürger eine mehr oder weniger lebensgefährliche Infektionskrankheit, die sich schnell ausbreitet und das Leben vieler Menschen bedroht – so etwas wie Pest oder Cholera, aber auch die Grippe-Epidemie ist ein geläufiger Begriff. Der Fachmann spricht von einer Epidemie, wenn eine Infektionskrankheit, etwa die Grippewelle, in dem Stadium ist, in dem die Zahl der Erkrankungsfälle zunimmt.

Die WHO hat den Epidemiebegriff erweitert. Auch Krankheiten, die durch Rauchen, Übergewicht und Bewegungsmangel oder sonstiges, was Gesundheitspolitiker für gewöhnlich als „Folgen menschlichen Fehlverhaltens“ betrachten, wurden in den letzten Jahren mit dem Etikett „Epidemie“ versehen. So haben wir etwa angeblich eine Fettleibigkeits-Epidemie – an die nach entsprechend ausdauernder „Bewußtseinsbildung“ durch Politik, Medizin und Medien inzwischen auch fast jeder glaubt. Kritiker bemängeln freilich, daß diese Epidemie – also die angebliche rasende Zunahme und Verbreitung – genau wie die Schweinegrippe-Pandemie vor allem durch eine Neudefinition kam. In diesem Fall einer Neudefinition dessen, was als „Übergewicht“ gilt. Und auch hier wurde der Vorwurf erhoben, die Pharmaindustrie habe dabei Einfluß genommen.

Und dann haben wir natürlich noch die „weltweite Tabakepidemie“. Sie ist es, die mit dem FCTC bekämpft werden soll.

„Im Geist talibanischer Fundamentalisten“

„Das ist ja alles wirklich spannend“, meinen Sie nun vielleicht. „Aber so ganz kapier ich nicht, was das eigentlich mit dem Volksentscheid in Bayern zu tun haben soll. Hier geht es doch klar und eindeutig um etwas ganz anderes, nämlich den Nichtraucherschutz.“

Haben Sie sich denn nicht auch schon manchmal gefragt, wieso überhaupt das Rauchen auch in Gaststätten nicht erlaubt sein soll, in denen sich ein rauchender Wirt und lauter rauchende Gäste aufhalten, also gar kein Nichtraucher da ist, der geschützt werden müßte? Der Nichtraucherschutz spielt bei diesem Rauchverbot eine weit geringere Rolle, als man uns weismachen will. Denn das Rauchverbot in Gaststätten ist Bestandteil einer Strategie, die im FCTC festgelegt wurde.

Das mit dem FCTC verfolgte Ziel ist aber ausdrücklich die Schaffung eines Rahmens für „Maßnahmen zur Eindämmung des Tabakgebrauchs“. Diese Maßnahmen sind „von den Vertragsparteien auf nationaler, regionaler und internationaler Ebene einzuleiten“. Mit anderen Worten: Das FCTC verfolgt das Ziel, uns das Rauchen abzugewöhnen, und jeder Staat, der es unterzeichnet hat, hat sich auch diesem Ziel verpflichtet.

Bei den Mitteln, mit denen das verwirklicht werden soll, ist die WHO wenig zimperlich. Sehr aufschlußreich im Hinblick darauf sind die Leitlinien zu Artikel 8 des FCTC, in dem es um den „Schutz vor Passivrauchen“ geht.  Erst kürzlich ging ein entrüsteter Aufschrei von der BILD-Zeitung  über den Spiegel bis zur FAZ durch die deutsche Medienlandschaft, als bekannt wurde, dass ein Beschluß des EU-Rats nicht nur das Ziel einer „hundertprozentig rauchfreien Umgebung“ vorsah mit Rauchverboten nicht nur innerhalb von geschlossenen Gebäuden, sondern auch zum Teil in Außenbereichen, daß von den Mitgliedsstaaten eine „aufsehenerregende Strafverfolgung“ von Verstößen und sogar Schauprozesse gegen Prominente gefordert wurden, die sich nicht an das Rauchverbot halten. Ein österreichischer Verfassungsrechtler bescheinigte diesem Text den „Geist talibanischer Fundamentalisten“.

Was in all der Aufregung aber kaum jemand mitbekommen hat: Dieser Teil des EU-Ratsbeschlusses wurde wortwörtlich aus der Leitlinie der WHO übernommen.

DKFZ steht drauf, WHO ist drin

Der Urheber der deutschen Fassung jener Erläuterungen ist einen näheren Blick wert. In der Überschrift zeichnet das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg verantwortlich – eine vom Bund und dem Land Baden-Württemberg finanzierte Stiftung. Man muß auch das Impressum ganz am Ende des Dokuments lesen, um zu erfahren, daß der eigentliche Urheber nicht das DKFZ, sondern wieder die WHO ist – diesmal in Gestalt des „WHO-Kollaborationszentrums für Tabakkontrolle“ als Abteilung des DKFZ. Aus der Feder dieses WHO-Kollaborationszentrums stammt auch die Publikation,  auf die sich alle Politiker berufen, wenn sie beteuern: „Massenhaft Menschen sterben jedes Jahr am Passivrauch. Das ist wissenschaftlich erwiesen!“

Der Inhalt dieser „Passivrauchstudie“ soll hier nicht kritisch analysiert werden; dies wird an anderer Stelle geschehen. Aber eines ist klar: Von einer wissenschaftlichen Arbeit im eigentlichen Sinne, also objektive Ermittlung und Analyse von wissenschaftlich beweisbaren Tatsachen, kann man nicht mit allzu hoher Sicherheit ausgehen, wenn sie von einem Urheber stammt, der so wenig Grund hat, unvoreingenommene Forschungsarbeit zu leisten.  Das WHO-Kollaborationszentrum ist auch nach eigener Darstellung immerhin mit der Zielsetzung gegründet worden, „einen spürbaren Beitrag zu nationalen und internationalen Bemühungen um die Verringerung des Tabakkonsums“ zu leisten. Das Ergebnis der Passivrauchstudie, daß nämlich Passivrauchen höchst gefährlich für Nichtraucher sei, stand damit schon fest, bevor sie überhaupt begonnen wurde. Ein anderslautendes Ergebnis wäre dem Ziel der WHO und damit auch dem des Heidelberger WHO-Kollaborationszentrums zuwidergelaufen. Man hätte es in Heidelberg allenfalls noch heimlich in der Schublade verschwinden lassen können.

Quo vadis, WHO?

Die Weltgesundheitsorganisation steht an einem Scheideweg. Noch kann sie von ihrem weltweiten Ansehen zehren, aber der Fall Schweinegrippe hat ans Licht gebracht, was insgeheim schon spätestens seit den neunziger Jahren gängige Praxis ist: eine Konzentration auf medienwirksame Themen, aufgeblasen zu vermeintlich nie dagewesenen tödlichen Gefahren mit den Mitteln professioneller PR. Seriosität stellt man sich doch ein bißchen anders vor. Die Qualität der WHO-Richtlinien wird in Wissenschaftlerkreisen auch bereits mit plausibler Begründung in einem generellen Sinne angezweifelt: Es mangele an Objektivität, oft repräsentierten die Leitlinien nur die Meinung Einzelner, der Entscheidungsprozeß sei nicht transparent, fast nie würden Anwendbarkeit und Umsetzung in den jeweiligen Ländern überprüft, kritisierte ein Forscherteam im Jahr 2007 in der angesehenen Fachzeitschrift „Lancet“.  Das Vertrauen in die Ernsthaftigkeit, mit der die WHO ihre Aufgaben erfüllt, blieb damals in der Öffentlichkeit dennoch unerschüttert. Das praktische Beispiel der Schweinegrippe hat uns am eigenen Leibe spüren lassen, daß es gute Gründe gibt, an dieser Ernsthaftigkeit zu zweifeln.

Noch bedenklicher ist der in den letzten Jahren in zahlreichen Einzelfällen bekannt gewordene Einfluß der Pharmaindustrie auf die Weltgesundheitsorganisation, der zwangsläufig ihre eigenen wirtschaftlichen Interessen näher liegen als das Wohlergehen der Menschen. Daß Pharmakonzerne zu Beginn der WHO-Anti-Tabak-Politik rege an ihr mitbeteiligt waren, ist überhaupt kein Geheimnis.   Über ihre derzeitige Rolle darf spekuliert werden. Inzwischen gibt sich die WHO dazu nämlich nicht mehr ganz so auskunftsfreudig. Sie wird wissen, warum.

In vielen Bereichen unseres Gesundheitswesens spielen Leitlinien und Grenzwerte der WHO eine Rolle von überragender Bedeutung. Ab welchem Blutdruck beispielsweise besteht ein erhöhtes Krankheitsrisiko? Unsere Ärzte orientieren sich an Grenzwerten der WHO – die vor wenigen Jahren erst deutlich heruntergesetzt wurden. Plötzlich waren Millionen beschwerdefreier und bis dahin als gesund geltender Menschen zu lukrativen Risikopatienten geworden. Über den vergleichbar gelagerten Fall der Osteoporose berichtet Jörg Blech in seinem Buch “Die Krankheitserfinder” über die Neudefinition der Grenzwerte durch die WHO im Jahre 1993. Erst seit diese neuen Grenzwerte gelten, ist Osteoporose ein Volksleiden. Daneben wurden aber auch geringere Abweichungen der Knochendichte zu einer Art von Osteoporose-Vorstufe, der “Osteopenie”, erklärt. Wer über 40 und weiblich ist, ist damit mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Kandidat für eine dieser beiden Diagnosen. Ein Milliardenmarkt für die Pharmaindustrie. Komischer Zufall, daß das Treffen der WHO, bei dem dieser Beschluß gefaßt wurde, laut Jörg Blech gesponsert worden sein soll – von der Rorer Foundation sowie den Pharmakonzernen Sandoz und SmithKlineBeecham (heute: GlaxoSmithKline – dem Hersteller des Impfstoffs Pandemrix gegen die Schweinegrippe).

Daneben ist seit den neunziger Jahren feststellbar, daß die WHO immer mehr dazu übergeht, das Privatleben von Menschen, die niemanden um eine Einmischung gebeten haben, in ein Korsett von Ermahnungen, Empfehlungen und Richtlinien einzuzwängen – ganz ähnlich wie die EU, nur weniger auffällig, weil diese Einmischung fast immer indirekt erfolgt. Die von der Weltgesundheitsorganisation empfohlenen fünf Obst- und Gemüsemahlzeiten am Tag wurden uns ja in den letzten zwanzig Jahren nicht von der WHO selbst, sondern von unseren Ärzten, Ernährungswissenschaftlern, Gesundheitspolitikern und -verbänden nahegelegt – eine Empfehlung, die sich übrigens als sinnlos herausgestellt hat.  Auch im Falle des Rauchens ist die Rolle der WHO in der Öffentlichkeit nur wenig bekannt, denn medial in Erscheinung treten Politiker, Mediziner und selbsternannte Experten.

Nach WHO-Maßstäben sind wir alle krank

„Gesundheit ist ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht allein das Fehlen von Krankheit und Gebrechen“, so lautet die Gesundheitsdefinition der WHO  und beschreibt damit eine Art von Gesundheit, die ein durchschnittlicher Mensch unter durchschnittlichen Voraussetzungen nie erlangen wird. Nach diesen Maßstäben ist jeder einzelne von uns krank – und zählt damit zur Zielgruppe all derer, die uns Pillen, Tränke und Pülverchen verkaufen wollen. Vielleicht ist das eigentliche Problem der WHO, daß diese Beschreibung nicht mehr so verstanden wird, wie sie ursprünglich einmal gemeint gewesen sein muß: nämlich als theoretischer und in der Praxis gar nicht erreichbarer Idealzustand, nicht etwa als ein konkret anzustrebendes Ziel.

Es ist das besondere Kennzeichen von Fundamentalisten und Fanatikern, sich Ziele dieser Art zu setzen – und je unerreichbarer sie sind, desto mehr werden im Lauf der Zeit bei ausbleibenden Erfolgen auch alle Mittel für erlaubt gehalten, um sie vielleicht doch noch zu erreichen. Die Bemühungen, die Raucher vom Rauchen abzuhalten folgen einem ganz ähnlichen Muster. Die WHO stellt beispielsweise seit 2008 nur noch Nichtraucher ein. Es darf gewettet werden, wie lange es noch dauern wird, bis sie dazu übergeht, die Raucher unter ihren bereits früher eingestellten Mitarbeitern vor die Wahl zu stellen, entweder das Rauchen aufzuhören oder den Job zu verlieren. In den USA gibt es dafür schon Präzedenzfälle.

Der WHO ist der Blick für das verlorengegangen, was das menschliche Leben eigentlich lebenswert macht, obwohl es in ihrer Gesundheitsdefinition als “soziales Wohlbefinden” mitenthalten ist. Soziales Wohlbefinden bedeutet: mit sich selbst und seiner Umgebung im Reinen zu sein. Sich mit seiner Familie, seinen Nachbarn, seinen Arbeitskollegen, seinen Vereinskameraden, seinen Stammtischfreunden gut zu verstehen und die gemeinsam verbrachte Zeit zu genießen. Die Medienkampagnen gegen die Raucher – einschließlich der Kampagnen um ausnahmslose Rauchverbote – zielen bewußt darauf ab, deren soziales Wohlbefinden zu beeinträchtigen, indem der Raucher gezwungen wird, sich zum Rauchen grundsätzlich in die soziale Isolation zu begeben und das Zusammensein von anderen aus dieser Position heraus von ferne betrachten zu müssen.

In der Praxis funktioniert das allerdings nicht so einfach wie in der Theorie. Die Erfahrung zeigt, daß einerseits dort, wo drinnen das Rauchen verboten ist, draußen oft fröhliche Grüppchen von Rauchern und Nichtrauchern zusammenstehen, während drinnen tote Hose ist. Andererseits hat aber um die Nichtraucherkneipen oft auch eine Art Abstimmung mit den Füßen stattgefunden. Nicht nur viele Raucher besuchen sie weit seltener, als es sich die Wirte wünschen würden. Auch ihre nichtrauchenden Thekengenossen gehen früher oder bleiben lieber gleich daheim, wenn in der Kneipe nichts mehr los ist.

Eine negative Wirkung auf das soziale Wohlbefinden vieler – und zwar Raucher wie Nichtraucher! – ist jedenfalls vorprogrammiert, wo Theken und Stammtische verwaisen, wo das Rauchen nach jahrelanger Eintracht plötzlich mit voller Absicht zum Streitpunkt in Vereinen, unter Freunden und in Familien gemacht wurde und wo man den Gesetzesknüppel schwingt, statt auf die Fähigkeit der Bürger zu vertrauen, als erwachsene Menschen solche Dinge selbst untereinander zu regeln, wie sie es zuvor ja auch getan haben.

Der Volksentscheid über das ausnahmslose Rauchverbot ist auch eine Abstimmung darüber, ob die Menschen in Bayern es sich zutrauen, das zu tun, was sie bis 2007 noch ganz selbstverständlich getan haben: Selbst zu entscheiden, wo, in welcher Gesellschaft und unter welchen Begleitumständen sie ihre Freizeit verbringen wollen. Denn eines ist sicher: Vom Bier in der Kneipe würde Ihnen die WHO ebenfalls abraten und Ihnen stattdessen vermutlich einen Besuch im Fitnessstudio nahelegen.  Sie werden Ihre Gründe haben, wenn Sie dennoch lieber in die Kneipe gehen wollen. Fragen Sie also weder Ihren Arzt noch Ihren Apotheker und schon gar nicht die WHO nach deren Vorstellungen, wie Ihre Stammkneipe aussehen sollte. Fragen Sie das nur sich selbst.

Je nachdem, wie Ihre Antwort ausfällt, können Sie schon jetzt problemlos zwischen Raucher- und Nichtraucherlokalen auswählen. Mit Ihrem “Nein” beim Volkentscheid wird dieser Zustand für alle erhalten bleiben – und das bedeutet: soziales Wohlbefinden für alle.