Sind Raucher Schädlinge?
von Zé do Rock

Diese Seite bezieht sich auf die drei Vorwürfe, die man heutzutage den Rauchern macht: Gesundheit, Kosten und Störung. Der größte Teil des Textes beschäftigt sich mit den gesundheitlichen Aspekten des Passivrauchens.

Die Studien über Passivrauchen und Lungenkrebs

Fangen wir mit den Studien an, die sich mit der Korrelation (Wechselbeziehung) von Passivrauchen und Lungenkrebs beschäftigten. Der Laie hat im Normalfall keine Ahnung, wie medizinisches Risiko gemessen wird, deshalb misst er die Gefahr durch die Häufigkeit, in der er mit bestimmten Warnungen bombardiert wird. Je lauter die Horde quietscht, desto gefährlicher. Weshalb empfindet man Atomkraftwerke als gefährlicher als Stühle? Weil vor Atomkraftwerken gewarnt und dagegen demonstriert wird, gegen Stühle eher selten. Dabei sterben vermutlich viel mehr Leute an Stühlen als an Atomkraftwerken. An Atomkraftwerken starben, seit es sie gibt, ein paar Hunderttausend, an Darmkrebs jedoch jährlich Millionen – sitzende Tätigkeit erhöht das Risiko deutlich. Natürlich lässt sich über die Langzeitwirkungen diskutieren, Tatsache ist aber, dass sich kaum jemand die Zahlen anschauen wird.

Medizinisches Risiko wird normalerweise mit der Einheit RR - Relativrisiko - gemessen. RR 1.00 ist die Basis. Wenn von einer Gruppe Schokoladen-Nichtesser 100 (RR 1.00) an Diabetes erkranken und von einer gleich großen Gruppe Schokoladen-Esser 110, dann sind das 10 % mehr, und man beziffert dieses Risiko als RR 1.10. Nun, jeder Statistiker weiß, dass so eine Zahl nicht unbedingt der Wahrheit entspricht. Wenn ein Umfrageinstitut ein paar hundert Leute befragt und herausfindet, dass 75 % von ihnen für Kandidat A stimmen werden, wird man sagen, sicherlich gewinnt Kandidat A – auch wenn es am Ende 5 % mehr oder weniger sind, mit 70 % oder 80 % gewinnt Kandidat A. Wenn aber 52 % sagen, sie werden für Kandidat A stimmen, dann weiß der Statistiker, das könnte am Ende nur 49 % sein, vielleicht sogar 45 % oder weniger, je nachdem wie groß die Umfrage war.

Diese Messtoleranz heißt CI, „Konfidenzintervall“. Ein CI von 100 % würde heißen, der Zufall ist ausgeschlossen, und weil das so schwer hinzukriegen ist, wird normalerweise mit einem CI von 95 % gearbeitet, das heißt, es gibt eine Wahrscheinlichkeit von 5 %, dass die ermittelten Zahlen per Zufall zustande gekommen sind. Daraus ergeben sich zwei zusätzliche Zahlen, den niedrigst- und den höchstmöglichen Wert, den zum Beispiel das RR 1.10 in der Realität annehmen kann.

Im Prinzip können vier Arten von Ergebnissen erreicht werden:

1) diejenigen, die eine Korrelation beweisen, nämlich wenn beide Zahlen über 1.00 liegen. Z.B. wenn ein Studienergebnis so aussieht: RR 1.20 (95 % CI 1.10 - 1.30). Das heißt, ein erhöhtes Risiko von 20 % wurde festgestellt, und nach der Messtoleranz könnten es nur 10 % gewesen sein, aber auch 30 %.

2) diejenigen, die ein erhöhtes Risiko feststellen, aber im Bereich der statistischen Insignifikanz, das heißt, der Zufall kann nicht ausgeschlossen werden, und so sind die Ergebnisse unbedeutend. In diesen Fällen liegt die erste Zahl im CI unter 1.00. Z.B. wenn eine Studie ein RR von 1.15 (95 % CI 0.95 - 1.35) feststellt, bedeutet das, dass die observierte Gruppe sogar 10 % sicherer leben kann (0.90) oder dass sie 30 % unsicherer lebt als die nicht dem Risiko ausgesetzte Vergleichsgruppe.

3) diejenigen, die ein vermindertes Risiko feststellen, aber im Bereich der statistischen Insignifikanz. In anderen Worten, die festgestellte Zahl liegt unter 1.00, aber die obere im CI liegt über 1.00. Wenn da steht, die Studie ergab RR 0.85 (95 % CI 0,65 - 1.05), dann kann die exponierte Gruppe bis zu 35 % sicherer leben als die nicht exponierte Vergleichsgruppe, oder aber sie lebt 5 % ungesünder.

4) diejenigen, die ein vermindertes Risiko beweisen – beide Zahlen im CI liegen unter 1.00.

Nachfolgend die Studien, die ich über die Materie finden konnte; die meisten gehören zum Pool der Studien, die den zwei großen Studien der EPA (der amerikanischen Umweltbehörde) und der WHO (Weltgesundheitsorganisation) als Basis dienten. Solche Studien werden normalerweise nach den Studienleitern benannt, oft erscheinen Namen doppelt oder mehrfach, weil es gesonderte Studien für Männer und Frauen gibt, teilweise auch für Kinder. Sie können durchaus selbst überprüfen, ob ich die Wahrheit erzähle, indem Sie im Internet den Namen eingeben und dazu „passive smoking“. Sie sollten allerdings nicht Seiten aufrufen, die nur die Studie erwähnen, sondern die Seite, auf der sie publiziert wurde, weil dort die Zahlen vorzufinden sind.

Die meisten Studien wurden von Forschungsinstituten, Universitäten und sonstigen staatlichen Institutionen durchgeführt. Die Studien, die von der Tabakindustrie bezahlt wurden, sind mit dem Kürzel TI gekennteichnet.

1) Studien, die bewiesen, dass Passivrauchen Lungenkrebs verursacht:

Brennan Fontham Fontham Geng
Hirayama Hirayama Jee Jöckel
Kabat Kalandidi Lam Lam
Rachtan Schwarz Sun Trichopoulos
Vineis Wang Wang Sy Zaridze

Insgesamt: 20 Studien

2) Studien, die ein erhöhtes Risiko zeigen, aber im Bereich der statistischen Insignifikanz blieben, also nichts beweisen konnten:

Garfinkel- Wang TJ Hole Kubic
Correa Cardenas Hole Lan
Correa Cardenas Svennson McGhee
Kabat Jöckel Sobue Nishino
Garfinkel Jöckel Stockwell Rapiti
Wu Ko Liu Q Sasco
Akiba Nyberg Wu Zhong
Akiba Nyberg Fontham Zhou
Lee - TI Boffetta Layard Johnson
Lee - TI Wu Kabat Brownson
Lee - TI Kabat Gao Shimizu
Schwartz Humble Kalandidi Schwartz
Humble Wu-Williams Sun Koo
Zaridze Boffetta Pershagen Kabat
Kabat & Wyn Butler Kabat Gao
Inoue Sun Koo Shimizu
Jöckel Pershagen Choi Ko
Svennson Choi Nyberg Janerich
Sobue Stockwell Kabat Jöckel
Garfinkel Lee - TI Boffetta (WHO) Kabat
Kabat Chan-Yeung Du Y  

Insgesamt 83 Studien.

3) Studien, die zeigten, dass nicht exponierte Nichtraucher öfters Lungenkrebs bekommen als Passivraucher, aber im Bereich der statistischen Irrelevanz blieben, also nichts beweisen konnten.

Chan Jöckel Brownson Engstrom - TI*
Buffler Jöckel Wang TJ Kreuzer
Buffler Kabat Kabat & Wyn Kreuzer
Kabat Garfinkel Garfinkel Shen
Janerich Lee - TI Wu Zatloukal
Liu Z Koo Brownson Sun
Janerich Fontham Zaridze Kabat
Wang TJ Jöckel Ko Dalager
LayardTI      
* Anfänglich vom National Cancer Institute finanziert, als aber erkannt wurde, dass die Studie nicht die Schädlichkeit von Passivrauchen beweisen würde, zog sich das NCI daraus zurück, und die Studienmacher holten sich die Unterstützung bei der Tabakindustrie, da kein anderer Betrieb sich damit „beschmutzen“ wollte. Jedenfalls wird klar: Besonders auffallend sind die tabakfinanzierten Studien nicht, sie verschwinden in dieser „mittleren“ Masse.

Insgesamt: 33 Studien.

4) Studien, die bewiesen, dass Passivrauchen gesünder ist als nichtexponiertes Nichtrauchen:

Wu-Williams Boffetta (WHO) Janerich  

Insgesamt: 3

Also von 139 Studien konnten 119 nicht den Zusammenhang von Passivrauchen und Lungenkrebs beweisen. Ein Statistiker würde sagen, die Lage ist verworren, und da fragt man sich natürlich schon, wie „die Experten sich einig sind, dass Passivrauchen schädlich sei“ - ein Satz, der sich in den Medien so oft wiederholt, bis er zur etablierten Wahrheit wird. Ganz einfach, nehmen wir uns z.B. die Webseite des American Surgeon General, also des Gesundheitsministeriums. Das ist ein Bombardement an Daten, die das Rauchen als schädlich darstellen. Aber „statistically significant“ erscheint nur ein paar Mal – natürlich da, wo es um eine der Studien geht, die statistisch signifikant waren. Der Ausdruck „statistically INsignificant“ taucht gar nicht erst auf.

Man mag sich fragen, wie es bloß bewiesen werden konnte, dass Passivrauchen einerseits Lungenkrebs verursacht und gleichzeitig für die Lungen gesund ist – keine der Studien, die das bewiesen, wurde von der Tabakindustrie bezahlt. Die einzige Erklärung, die wir haben, ist: Viele Statistiker und Institutionen sind der Meinung, RRs unter 3.00 oder 2.00 beweisen sehr wenig, weil eine Kausalität (ursächlicher Zusammenhang) eher unwahrscheinlich ist. Hier ein paar Stimmen dazu:

WHO International Agency for Research on Cancer, 1980:
„Relative Risiken von weniger als 2,0 können leicht durch Bias oder Störfaktoren verursacht werden, bei Risiken über 5,0 ist dies unwahrscheinlich“

Das US National Cancer Institute (vergleichbar dem Deutschen Krebsforschungszentrum DKFZ):
„Relative Risiken von weniger als 2,0 sind gewöhnlich nur schwer interpretierbar. Solche Risikosteigerungen können leicht durch Zufall, statistischen Bias, oder unbekannte Confounder verursacht werden.“

Die International Agency for Research on Cancer (IARC):
„Relative Risiken von weniger als 2,0 können leicht durch unerkannten Bias oder Störfaktoren verursacht werden.“

Die Herausgeberin des New England Journal of Medicine, Marcia Angell:
„Als Faustregel möchten wir einen relativen Risikofaktor von 3,0 oder darüber sehen, bevor wir eine Studie zur Veröffentlichung akzeptieren.“

Auch die WHO war offenbar dieser Meinung, aber wenn es ums Passivrauchen geht, wird anders gemessen und interpretiert.

So wäre zu erklären, warum bewiesen werden konnte, dass Kinder von Rauchern gesünder sind als die von Nichtrauchern: Alles in diesem Bereich wäre statistisches Pipifax. Aber dann sind nicht nur die „bösen“ Studien Pipifax, sondern auch die „guten“. Man kann nicht einfach die „bösen“ ignorieren und die „guten“ als gültig betrachten.

DIE GESCHICHTE

Alles begann sehr friedlich. Die Indianer schmauchten die Friedenspfeife, wenn sie sich auf eine Friedenslösung verständigt hatten, oder manchmal vielleicht auch, wenn sie auf eine hofften. Dann wurden sie von den Europäern leider entdeckt, die Europäer nahmen das Kraut mit, und viele Leute im alten Kontinent wurden wild darauf. Leider waren nicht alle darüber glücklich. Manche Leute hassten das Zeug wie die Pest. Wenn es Herrscher waren, erließen sie Verbote, es sei denn, ihr Finanzminister konnte sie überzeugen, ohne Tabaksteuer wären die nächsten Kriege und Orgien nicht mehr drin. Die Finanzminister waren oft erfolgreich, aber nicht immer: In Lüneburg zum Beispiel stand ab 1691 sogar die Todesstrafe aufs Rauchen.

Der Tabak ist immer wieder als ungesundes Teufelszeug verschrien worden, andererseits wurde er je nach Zeit und Gegend als Medizin verwendet, natürlich auch von den Ärzten. Teilweise herrschte sogar der Glaube, er schütze vor der Pest. Oder vielleicht war’s gar nicht Glaube, sondern Wissen? Sicher könnte keiner mit einer Studie beweisen, dass es so war, aber wer will es bewiesen haben, dass es nicht so war? Man hat halt nicht so viel Pest heutzutage, um an frischen Objekten eine Studie vorzunehmen.

Eine Studie stellte vor ein paar Jahren fest, dass Leute mit einem gewissen Gen positiv auf die Substanzen in der Zigarette reagieren (auch wenn sie sie nicht in Zigarettenform bekommen), Leute ohne dieses Gen reagierten negativ. Das kann ich mir lebhaft vorstellen: Die Liebe für oder der Hass auf den Tabak ist genetisch bedingt, also chemisch. Bei manchen Menschen reagiert die Körperchemie positiv auf den Tabakrauch (sie mögen das), bei anderen reagiert sie negativ. Ich nenne die einen chemische Raucher, die anderen chemische Nichtraucher. Ich kann mir auch lebhaft vorstellen, dass alles eine Frage von Gradationen ist: Der eine liebt Kartoffeln, der andere hasst sie, manch einer ist leicht zuneigt, andere leicht abneigt, und anderen wiederum ist die Kartoffel wurscht. Wenn das mit Lebensmitteln so ist, warum sollte es nicht auch mit Genussmitteln so sein?

Im 20. Jahrhundert, mit der Massenherstellung von Zigaretten, mussten chemische Nichtraucher viel leiden, die Leute rauchten wie Tschernobyl. Vor ungefähr 3 Jahrzehnten begann die Stunde der Antiraucher. Meine persönliche Theorie: Der Krieg gegen die Raucher entstand in Amerika aus einer unheiligen Allianz von chemischen Nichtrauchern, die keinen Rauch, sondern Rache wollten, mit den amerikanischen Evangelikalen und der Pharmaindustrie. Die Evangelikalen waren schon immer eine bedeutende Kraft in den USA und gegen das Rauchen, wie auch gegen das Saufen. Sie definieren sich praktisch dadurch. Wenn du qualmst, bist du höchstens ein halber Christ. Ich nehme mal an, Lebensmittel kann man nicht verteufeln, weil man sonst verhungert. Aber zumindest kann man Genussmittel verteufeln, das passt ja zur genussfeindlichen protestantischen Moral. Die Evangelikalen würden das Saufen gerne mitverbieten, aber gegen diese Mehrheit von Quartalssäufern und hoffnungslosen Alkoholikern haben sie keine Chance. Mindestens vorläufig nicht. Außerdem hatten die Amis schon Erfahrungen mit der Prohibition, darauf folgte die größte Wirtshaftskrise der Geschichte und dann ein paar Jahre später der größte Krieg. Gewonnen hat die Mafia. Nun ist es schon wieder soweit: Prohibition (von Tabak) 2007, großer Krach 2008, also wieviele Jahre noch bis zum dritten Weltkrieg?

Die Krux an der Sache ist, dass nicht jeder chemische Nichtraucher ein tatsächlicher Nichtraucher ist, und nicht jeder chemische Raucher ist ein tatsächlicher Raucher. Ich sprach mit Hunderten von Leuten über das Thema in den letzten Monaten; manche chemische Raucher hören auf zu rauchen, weil sie gesundheitliche Probleme haben oder befürchten. Sie haben eine gute Erinnerung an die Raucherzeiten und finden die Verbote idiotisch. Fatal für die Raucher war die Masse von chemischen Nichtrauchern, die langsam zu rauchen aufhört hat. Vermutlich waren sie aus kollektivem Zwang zu Rauchern geworden. Jeder tut es, wir kennen das von der Schule. Sie rauchten dann 10, 20 jahre lang, und hatten keine Freude daran. Der einzige Grund, weshalb sie rauchten, war die Sucht. Wenn sie aufhören, machen sie ihr Haus sofort dicht für Raucher und hassen fortan die Zeit, in der sie Verrat am eigenen Körper betrieben haben. Und so wie sie ihr altes Ich für idiotisch halten, halten sie auch andere Raucher für Idioten und sind auf sie sauer, weil sie sie an die alten Zeiten erinnern.

Eine Menge Antiraucher projiziert aus der eigenen Situation auf alle Raucher und denkt sich, wenn ich nur Sucht und keinen Spaß daran hatte, haben es andere sicher auch nicht, egal was sie von sich behaupten. Der Raucher verkündet, er mag das Rauchen, und der Antiraucher sagt, der Raucher ist ein Lügner oder psychisch gestört, jedenfalls mag er nicht, was er angibt zu mögen. Wer mit dem Antiraucher nicht einverstanden ist, ist nicht in vollem Besitz seiner geistigen Kräfte. Regierungen, die so dachten und denken, fügten den Menschen oft großen Schaden zu, heutzutage finden wir sie in Burma, Nordkorea, und die amerikanische Regierung war auch bis vor kurzem so eine.

Dabei leben um die 30 Millionen Ex-Raucher in Deutschland. Sie waren jahrelang hirnkrank, und durch eine einzige Entscheidung, nämlich mit dem Rauchen aufzuhören, wurden sie über Nacht hirngesund. Ich sage ja, das ist eine religiöse Bewegung, sie glaubt an Wunder. Nach meinen Hochrechnungen sind 17 % der Leute in Deutschland (um die 14 Millionen Einwohner) Nichtraucher, die glaubenwissen, für Raucher ist Rauchen ein Genuss – denn es war ein Genuss für sie selbst – und deshalb gegen Rauchverbote sind. Wie erklären sich die Antiraucher die Existenz dieser Leute, deren Verstand nicht von der Sucht vernebelt ist und die trotzdem nicht mit ihnen einverstanden sind? Na gut, man wird sagen, da ist immer ein Rest von Sucht, der den IQ stark nach unten drückt. Das ist so wie bei den Evangelikalen: Wenn sie für einen Kranken beten und der überlebt, sagt man, Gott ist großartig und hat ihn gerettet. Überlebt er nicht: Gott ist großartig und hat ihn zu sich genommen, das war sein Wille, womit wieder bewiesen ist, dass Gott Realität ist. Es gibt keine Option, die unsere These nicht bestätigen würde. Hm? So argumentieren auch viele Antiraucher: Lebt der Raucher kurz – eben. Lebt er lang – Ausnahmen bestätigen die Regel. Stirbt ein Nichtraucher früh, dann weil er früher rauchte oder weil seine Kusine rauchte und er dauernd bei ihr war – keiner weiß, was er da trieb. Stirbt er mit 95 an Lungenkrebs – der Passivrauch hat ihn dahingerafft. Weil die Tante immer da war, und die hat wie ein Schlot geraucht. Dabei kannten schon die alten Griechen ziemlich alle Krebsarten, und die rauchten nicht. Deshalb hatten sie auch immer schlechte Laune und schrieben unendliche Tragödien.

Diese traumatisierten chemischen Nichtraucher, die lange Zeit geraucht hatten, wurden immer mehr. Die Pharmaindustrie verdiente mit ihren Rauchstopphilfen auch immer mehr (ihr Plan ist natürlich, durch Verbote das Monopol auf dem Nikotinmarkt zu erlangen) und entdeckte allmählich das Marktpotential, das dahinter steckt. Dabei konnten sie sich auch als Good Guy profilieren, statt wie sonst als Giftverkäufer. Jedenfalls war diese Dreifachallianz stark genug, den Wind in die andre Richtung zu drehen, und das Drittel der Bevölkerung, das nicht raucht und trotzdem entweder das Rauchen einigermaßen toleriert oder sogar mit Rauchern sympathisiert, fing an, sich ernsthafte Sorgen um seine Gesundheit zu machen. So konnte die Hexenjagd-Saison auf die Raucher eröffnet werden. Nur, im Gegensatz zur traditionellen Hexenjagd werden wir nicht abgefackelt, sondern man nimmt uns das Feuer weg. Na ja, könnte noch schlimmer kommen.

DIE EPA-STUDIE

Die EPA (Environmental Protection Agency, die amerikanische Umweltbehörde) machte eine Studie zu unserem Thema. Das war keine primäre, direkte Studie, sondern eine Meta-Analyse, das heißt, sie warf die Studien zusammen, die bis dahin gemacht wurden, und analysierte sie, um zu entscheiden, ob von staatlicher Seite etwas gegen das Rauchen unternommen werden kann. Meta-Analysen sind etwas problematisch, weil die Studien sehr unterschiedlich angelegt sind und man immer improvisieren muss, um die Ergebnisse anzupassen. Ohne Befangenheit ist das schon mal nicht ganz leicht, geschweige denn mit Befangenheit, und unbefangen konnte man diese Studie ohnehin nicht nennen.

Bei einem CI von 95 % konnte die große Mehrheit der Studien die Schädlichkeit nicht beweisen, und man fragt sich, wie die EPA dennoch auf ihre statistische Signifikanz kam. Ganz einfach, sie ging auch mit dem CI herunter auf 90 %. Sie überließ also viel mehr dem Zufall, weil mit den üblichen (und sicheren) 95 % nichts zu holen war. So kam sie auf ein RR von 1.19 (90 % CI 1.04 - 1.35). Nur so konnte die linke Zahl über null sein, und so konnte sie gegen das Passivrauchen aktiv werden und ein Welle von Rauchverboten in den USA auslösen. Übrigens, auch Sie können nach „95 % CI“ und dann nach „90 % CI“ suchen. Sie werden feststellen, dass alle sonstigen Studien mit CI 95 % arbeiten, nur manche Passivrauchstudien arbeiteten mit 90 %. Die dann auch wundersamerweise beweisen, dass Passivrauchen ungesund ist. Man kann sich fragen, warum sie das getan haben. Also ich habe eine naheliegende Theorie: Man WOLLTE es auf Teufel komm raus beweisen. Wenn jemand eine andere Theorie hat - ich bin ganz Ohr.

Die EPA wurde wegen unwissenschaftlicher Umtriebe verurteilt. Es gab angeblich Dutzende von Irregularitäten, unter anderem wurde der Vorwurf des ‚cherry-picking’ bei der Wahl der Studien erhoben, die als Basis dienten. Diese Studien sind sehr verschieden angelegt, manche nehmen mehrere Störfaktoren und Zigarettenmengen in Kauf, andere keine, manche befragten nur die Ehegatten, andere auch die Putzfrau. Ich habe das Interview mit der Leiterin der Studie, Carol Browner, gelesen. Weder hat sie sich für die Unwissenschaftlichkeit entschuldigt, noch brachte sie irgendwelche sachlichen Argumente gegen das Urteil. Sie sagte einfach: Das amerikanische Publikum wisse das, jeder wisse das! Will heißen: Man darf ein bisschen schummeln, wenn es der „guten Sache“ dienlich ist. Man erzähle ja nur die „Wahrheit“ mit andren Mitteln (das ist offensichtlich nicht der Konsens unter Wissenschaftlern, sondern das, was das amerikanische Publikum für wahr hält, und dieses hatte man schon entsprechend informiert).

Technische Argumente gegen das erste Urteil konnte ich nirgends nachlesen, nur eine pauschales Bewertung auf Antiraucherseiten: Der Richter war aus Winston-Salem, eine internationale Kapitale des Tabaks. Das sagt ja schon alles. Was man nicht erwähnt, ist, dass er schon zweimal Urteile GEGEN die Tabakindustrie gefällt hatte. Später ist die EPA in Revision gegangen und hat gewonnen, was aber nicht etwa heißt, dass sich der Appeal Court mit der Unwissenschaftlichkeit der Studie befasst hätte. Er war nur der Meinung, dass kein Gericht über die Behörde richten dürfe. Trotzdem wird die Studie oft als „Beweis“ aufgeführt.

DIE WHO-STUDIE

„Es wäre zentral, eine Atmosphäre zu schaffen, in der aktive Raucher so wahrgenommen werden, dass sie denen um sie herum schweren Schaden zufügen, besonders ihren Familien und allen Kindern, wenn diese unfreiwillig dem Passivrauchen ausgesetzt werden.“
Sir George Godber, britischer WHO-Delegierter und Anti-Rauch-Aktivist, 1975

Das zu einer Zeit, in der es noch keine Studien über das Passivrauchen gab. Es zeigt schon die Einstellung der Organisation zu diesem Thema: Wir wollen nicht wissenschaftliche Experimente machen, um festzustellen, OB Passivrauchen relevant schädlich ist, sondern DASS es relevant schädlich ist.

Die WOrganisation beschloss in den 90er Jahren, eine richtige, direkte und gescheite Studie zum Thema zu machen und den Rauchern den Garaus. Als die Studie fertig war, wurde nur ein kurze Notiz in einer internen Zeitung veröffentlicht. Manche Medien wurden hellhörig, wollten mehr wissen, und die WHO musste am Ende mit der Studie herausrücken. Die Ergebnisse kann man im Deutschen Ärzteblatt von 1999 lesen . Das RR für passivrauchende Erwachsene war 1.16 (95 % CI 0.93 - 1.44), für Kinder rauchender Eltern war es 0.78 (95 % CI 0.64 - 0.96). Das heißt, bei Erwachsenen könnte Passivrauch ungesund oder auch gesund sein, das einzig Sichere ist, dass Kinder von Rauchern gesünder sind als Kinder von Nichtrauchern. Eine Organisation, die jährlich Millionen Dollar von Pharmaindustrie und Regierungen für den Kampf gegen den Tabak bekommt, kann es sich aber nicht leisten, ein Studie herauszubringen, die besagt, Kinder rauchender Eltern lebten gesünder als die von Nichtrauchern. Das geht nicht, die würden alle gefeuert und würden nie wieder einen müden Cent für Forschung bekommen. Die wenigen Medien, die auf der Glaubenswelle nicht mitschwammen, fanden das ein gefundenes Fressen, und die WHO veröffentlichte eine Verlautbarung unter dem Titel DO NOT LET THEM FOOL YOU („Lasst euch nicht zum Narren halten“) . Sie gibt in einer einzigen Zeile zu, dass ihre Studie die Schädlichkeit des Passivrauchens nicht beweisen konnte, wegen der statistischen Insignifikanz. In den übrigen 44 Zeilen behauptet sie trotz statistischer Insignifikanz, dass es ungesund sei. So als würde Deutschland gegen Holland spielen, und die Moderatoren würden danach stundenlang davon schwärmen, wie schön das deutsche Tor gewesen sei und wie wunderbar unsere Jungs gespielt hätten, ohne zu erwähnen, dass das Tor im Abseits gefallen ist und das Spiel 0:0 ausgegangen war.

Und dass im anderen Spiel Deutschland verloren hätte, würde gar nicht erwähnt: In der Verlautbarung steht kein einziges Wort über die Studie mit den Kindern – kann noch jemand im Ernst glauben, dass da neutrale Wissenschaftler am Werk sind? Das klingt für mich eher wie die nordkoreanische Berichterstattung über die WM: Nur Tore der eigenen Mannschaft werden gezeigt, und das Endergebnis ist ja auch nicht so brennend interessant, als dass alle es noch erfahren müssten. Als Erklärung für ihre Unfähigkeit, die Schädlichkeit des Passivrauchs zu beweisen, geben sie an, es seien nicht genug Testpersonen gewesen. Am Anfang der Studie empfand man offenbar 2000 Patienten als ausreichend, aber die Resultate waren nicht die erwünschten, also war die Studie doch nicht groß genug.

An sich ist die WHO eine ganz normale Organisation, aber wie auch bei der American Cancer Society und andren Gesundheitsorganisationen wird die Abteilung der Tabakprävention stark von Pharmariesen wie Johnson & Johnson, Pfizer, Glaxo subventioniert, und die hätten gern das Monopol auf Nikotin (in Form von Rauchstopphilfen). Wie jede Tabak- oder Sportartikelfabrik wollen sie soviel wie möglich vom Markt. Sie machen das natürlich in aller Öffentlichkeit, sind stolz darauf und keiner wird behaupten, solche Organisationen bekämen Geld vom Teufel, wie es sofort heißen würde, käme die Hilfe von der Tabakindustrie, selbst wenn es für Projekte wäre, die nichts mit Tabak zu tun haben.

Natürlich kann man nicht beweisen, dass die Pharmaindustrie nur ihre eigenen Interessen vertritt. Das bleibt Ihnen überlassen: Glauben Sie, dass die Pharmaindustrie a) nur ans Wohl der Menschen denkt, oder b) eigene Interessen verfolgt?

Also machte die WHO vier Jahre später eine neue Studie, die endlich bewies, was sie schon so lange beweisen wollte. Sie versuchten gar nicht erst den Weg über eine direkte Kohortestudie, sondern machten gleich eine Meta-Analyse, bei der, wie gesagt, die Möglichkeit von Irreführung und Manipulation deutlich größer ist.

In einer Konferenz nach der ersten Studie hatte einer der WHO-Studienleiter erklärt, wenn es mehr Testpersonen gewesen wären, hätte man sicher den Beweis erbringen können. Eine Dame im Publikum war erleichtert, das zu erfahren. Ich kenne auch selber genügend Leute, die sich nach dieser Ungesundheit sehnen. Wenn plötzlich der endgültige Beweis gefunden wäre, dass Rauchen überhaupt nicht ungesund sei, wäre dies für solche Antiraucher kein Grund zur Freude, obwohl es bedeuten würde, dass die Welt gesünder ist als man denkt, und sie doch nicht 50 Jahre ihres Leben einbüßen müssen, weil sie mit Rauchern in der Wirtschaft saßen. Es wäre vielmehr eine große Katastrophe. Der Feind hätte gesiegt. Man würde die Raucher nicht freudig in die Arme nehmen und sich entschuldigen für den ganzen Ärger, jetzt, wo man wisse, die tun einem nichts, die sind harmlos, sondern man würde sie doppelt hassen – weil sie einem schaden UND es mitsamt ihrer Tabakindustrie auch noch geschafft hätten, die Wahrheit zu verfälschen.

Über die Reaktionen auf Studien, in denen die Schädlichkeit nicht bewiesen wurde, schrieb ein Sheldon Ungar eine soziologische Arbeit. Unter dem Titel "SILENCING SCIENCE" analysierte er, was darüber in den Medien und im Netz so geschrieben wurde. Die Konklusion war, dass die Wissenschaft einen harten Stand hat, wenn sie sich gegen den vorherrschenden Wind stemmt: Über die große Studie von Enstrom und Kabat (mit statistischer Insignifikanz) erschienen auf der ganzen Welt Artikel in ca. 60 Zeitungen – von vielen tausenden existierenden Zeitungen, was für ein so brisantes Thema extrem wenig ist. Fast ausnahmslos mit dem pauschalen Urteil: Unsinn. Warum? Unsinn. Tabaklobby. So endet auch fast jede Diskussion mit einem Antiraucher, wenn ihm die Argumente ausgehen.

RAUCHER SIND DEPPEN

Eine andere Studie, von Read Montague im Baylor College in Houston, bewies mit nur 31 Rauchern und 31 Vergleichs-Nichtrauchern, dass Raucher Deppen sind und theoretische Alternativen bei fiktiven Aktienanlagen ausblenden. 2000 Testpersonen sind nicht genug, wenn das falsche Resultat dabei herauskommt wie in der WHO-Studie, 31 sind genug, wenn es dem guten Zweck zuträglich ist. Die Studie besagt, dass Böll, Mann, Wilde, Twain, Orwell, Sartre, Obama (der „größtenteils das Rauchen aufgab, vor allem im Weißen Haus“), Helmut Schmidt und die meisten deutschen Bundeskanzler, Freud, Einstein, Grass und John Lennon alle schlecht, Hitler und Bush jedoch gut abgeschnitten hätten. Man erkenne die Dummheit der Raucher schon daran, komplementierte das Machwerk, dass Raucher auch im richtigen Leben die falschen Entscheidungen träfen: Indem sie weiter rauchen. Und sollten sie zu den hunderten Millionen Rauchern gehören, die die „richtige“ Entscheidung trafen und mit dem Rauchen aufgehört haben, so bewiese das nur die These – denn das sind dann keine blöden Raucher mehr, sondern nun weise Nichtraucher (z.B. Frau Merkel). Und so ein Anschlag auf die Logik geht um die Welt, von medizinischen Blättern blindlings übernommen, unter dem Label der Wissenschaftlichkeit.

DIE GIFTE

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg, die Hauptquelle für das Statistische Bundesamt und somit für die Regierung, wenn es um das Rauchen geht, macht dann fleissig weiter – die Tabak-Präventionsabteilung arbeitet eng zusammen mit der Tabakprävention der WHO. Gleich am Anfang ihrer Raucher-Pressemitteilung ist zu lesen: PASSIVRAUCHER HABEN DIE GLEICHE GIFTIGEN SUBSTANZEN IM BLUT WIE RAUCHER! Das stimmt. Die nichtexponierten Nichtraucher haben ebenfalls dieselben Gifte im Blut, alle haben sie. Passivraucher haben doppelt soviel Kotinin (das ist der Nikotin-Abbaustoff) wie Nichtexponierte, aber 130-mal weniger als aktive Raucher. Über die zweite Zahl schweigt man sich jedoch aus. Das ist so, als würde man die Zugspitze mit 3.000 Metern Höhe mit einem 30 Meter hohen Hügel gleichsetzen. Beide sind Erhebungen in der Landschaft, also sind sie sich ziemlich ähnlich.

DIE MACHENSCHAFTEN

Und dann kommt noch der Vergleich: Passivrauchen verursache mehr Tote als Asbestose, illegale Drogen, BSE und SARS zusammen. Nur, an Asbestose und illegalen Drogen sterben zusammen viel weniger als 1 % der Bevölkerung, und die Zahl der Menschen, die nachweislich in Deutschland an BSE und SARS starben, belaufen sich auf 0 (null). Sie könnten auch sagen, es sterben viel weniger Passivraucher als Autofahrer, aber damit ließe sich keine Abschreckungspolitik machen.

Bei Herz-Kreislauf-Krankheiten wird bei Passivrauchern eine höhere Zahl von Toten angegeben, aber schon wieder ist das Problem da: Korrelation ist nicht Kausalität. In den USA wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben, wer mit korrekten Daten die absurdeste These aufstellen kann. Gewinner war ein Studie, die „bewies“ dass man ein viel höheres Risko hat, sich AIDS einzufangen, wenn man einen Videorekorder hat – man stellte fest, dass Videorekorderbesitzer sich viel häufiger mit AIDS infizieren. Bei den Studien zu Herz-Kreislauf-Krankheiten wurden bislang 18 Störfaktoren festgestellt, aber keine der Passivrauchstudien hat mehr als 6 Faktoren berücksichtigt.

Nichtraucher und Raucher finanzieren mit ihren Steuergeldern eine Institution, die die Bevölkerung informieren sollte. Statt aber zu informieren, muss sie und will sie abschrecken. Angeblich bekämpft sie ein Volkskrankheit, doch sie bekämpft somit eine Volksgruppe und betreibt Volksverhetzung. Sie wird behaupten, sie „helfe“ dieser Gruppe nur, sich aus ihrer Sucht zu befreien, so wie Bush den Irakern „half“, aber wenn die Iraker und die Raucher sagen, sie werden angegriffen und verzichten auf die Hilfe, dann muss man es ihnen glauben.

Das DKFZ machte eine Studie, die ausrechnete, dass in Deutschland 3301 Menschen jährlich an den Folgen des Passivrauchens sterben. Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages meinte dazu, dass das alles auf vagen Schätzungen basiere (diese Studie kann man anfordern, aber nicht auf eine Webseite stellen). Die Leiterin der Krebsprävention und Tabakkontrolle im DKFZ, Dr. Pötschke-Langer, gab in einem Zeit-Interview vom 17.12.2005 die vage Schätzung zu, aber das stört sie nicht, „da sie dem richtigen Zweck dient“. Sie ist keine Diktatorin, aber der Gedankengang ist ähnlich, wie leider bei allzu vielen Menschen. Sie wissen, was für die Leute gut ist, egal ob diese einverstanden sind oder nicht.

Nun, selbst wenn die Zahl 3301 stimmen würde: bei 800.000 Toten jährlich in Deutschland wären das gerade mal 0,4 %. Warum geht man nicht mit der gleichen Verve gegen die Ursachen für die anderen 99,6 % der Todesfälle vor?

Nach einem Bericht des amerikanischen CRS – Congressional Research Service – zeigten (beim üblichen CI von 95 %) 25 von 30 Studien ein erhöhtes Lungenkrebsrisiko bei Passivrauchern auf, wobei die meisten statistisch insignifikant waren. Dabei WOLLTEN die Wissenschaftler in den meisten Fällen die Schädlichkeit beweisen (damit sie publiziert werden, weitere Forschungsgelder bekommen usw.), das merken Befragte sehr leicht. Außerdem neigen Befragte dazu, ihre Rauchexposition in den Angaben unbewusst selber zu erhöhen, weil der Krebs dann durch Dritte verursacht worden ist – eine Frau, die nichts von Medizin versteht, erklärte den Lungenkrebstod eines nichtrauchenden Freundes damit, dass der Nachbar von zwei Stockwerken weiter unten ein Raucher war. Allen Carr, ein Bestsellerautor und Prophet des Nichtrauchens, ist ausgerechnet an Lungenkrebs gestorben. Obwohl kein Mediziner sagen kann, welche Ursachen im ganzen Leben zum Tod führen, steht die lebensgeschichtliche Erklärung für den Tod Allen Carrs in der Wikipedia: In den frühen Jahren, als er noch seine „Nichtrauchkursteilnehmer“ unterrichtete, ließ es noch zu, dass sie rauchten. Bingo. Ach, wären Leben und Tod so einfach zu erklären, wie wenn es ums Passivrauchen geht!

Der Bericht des CRS kam zu dem Schluss, dass das Risiko, als Passivraucher an Lungenkrebs zu sterben, kleiner ist als an einem Autounfall oder an Luftverschmutzung, aber vielleicht größer als zum Beispiel zu ertrinken – das aber nur bei starken Passivrauchern wie z.B. Wirten verrauchter Kneipen. Bei „normalen“ Passivrauchern könnte es gut sein, dass kein Einziger wegen Passivrauchs an Lungekrebs erkranke. Damit die Antiraucher nicht gleich meinen, der Bericht wurde von der Tabaklobby bestellt: Die Studie wurde vom Antitabak-Abgeordneten Henry Waxman in Auftrag gegeben. Sie wird auch manchmal bei Antiraucher-Seiten erwähnt, aber als etwas, was man ignorieren könne – ein Teilnehmer der Untersuchung erzählte später einer kanadischen Zeitung gegenüber, dass die Studie nicht seriös durchgeführt worden sei – was daran faul war, ist allerdings nirgends nachzulesen. Eine Kritik heißt (zumindest in diesem Fall), dass die Studie nicht gut ist, und eine unangenehme Studie kritisieren, das kann sogar ein 4-Jähriger.

Der CRS machte auch darauf aufmerksam, dass das relative Risiko, wie der Name schon sagt, relativ ist. Man könnte ausrechnen, dass die Gefahr, von einem Blitz vor der Haustür getroffen zu werden, bei eins zu einer Million liegt, im Haus jedoch bei eins zu zehn Millionen; das heißt aber lange noch nicht, dass es sehr gefährlich ist, vor die Haustür zu gehen, weil die Leute so selten innerhalb der Wohnung vom Blitz getroffen werden.

Auch wenn die EPA nicht geschummelt hätte, wäre das ermittelte relative Risko von RR 1.19 sehr klein – das merkt man an Studien, die Risko-Faktoren bei anderen Sachverhalten ermittelt haben: Sitzende Tätigkeiten haben ein RR von 1.30 für Darmkrebs, Vollmilch für Lungenkrebs hat ein RR von 2.14, Aktivrauchen einen Durchschnittwert von RR 8.75, und täglich über 12 Stunden einen BH zu tragen, birgt ein RR von 12,5 für Brustkrebs. Trotzdem wird gegen Stühle und Vollmilch nichts unternommen, ebensowenig gegen BHs – dabei sind DAS richtige Risiken, die sich sehen lassen können! Die Studie mit den BHs wurde als unwissenschaftlich kritisiert, aber 2 oder 3 Studien könnten ihr widersprechen und die Sache wäre erledigt. Aber im Gegensatz zum Passivrauchen, zu dem es Hunderte von Studien gibt, hasst offensichtlich keiner BHs, und die Pharmaindustrie hat noch nichts entdeckt, womit sie bei solchen Studien Geld verdienen könnte.

Für solche Zahlen bei anderen Faktoren kann ich und will ich keine Garantie übernehmen, sie können natürlich genauso Störfaktoren haben oder von der Konkurrenz bezahlt worden sein (z.B. von der Sojaindustrie mit ihrer Sojamilch gegen die Kuhmilch). Aber entweder man glaubt den Statistiken wie sie daherkommen, man glaubt ihnen nicht oder man recherchiert, warum man einigen Statistiken glauben soll und anderen nicht. Nun, wenn man mir sagt, man glaubt an keine Statistiken, die man nicht selber gefälscht hat, dann muss ich fragen, ob diese Antiraucher Statistiken gefälscht haben, und wenn sie das nie getan haben, können sie an keine Statistik glauben – das heisst auch an die Statistiken, die ihnen sagen, Passivrauchen ist ungesund. Und als Antiraucher ausgerechnet das angeblichen Zitat des Rauchers Churchill zu nehmen, scheint mir auch nicht sehr weise, vor allem wenn man Raucher für Deppen hält.

Für solche Zahlen bei anderen Faktoren kann ich und will ich keine Garantie übernehmen, sie können natürlich genauso Störfaktoren haben oder von der Konkurrenz bezahlt worden sein (z.B. von der Sojaindustrie mit ihrer Sojamilch gegen die Kuhmilch). Aber vom Gefühl kann man kaum etwas herleiten.

Studien, die keine Schädlichkeit beweisen, findet man fast nur auf Raucherseiten – wer will sich sonst damit beflecken? Wenn sie auf Antiraucherseiten stehen, dann natürlich um kritisiert zu werden. Ein Kritiker meinte zum Beispiel, dass der CRS-Report Orthographiefehler aufweise – egal wohin man schießt, Hauptsache schießen. Der englische Eintrag über Passivrauch auf Wikipedia ist auch so ein Paradebeispiel: Da steht die zweite WHO-Studie als Beweis, und die erste steht unter dem Punkt „Kritik“: Manche Kreise um die Tabakindustrie erwähnen die erste Studie als Beweis, dass es nicht ungesund ist, aber die WHO antwortetet schon, die Studie war gut und richtig. Also wenn sie gut und richtig war, wieso musste nochmal eine gemacht werden? Wieso ist die „Gutes“ beweisende Studie DAS Argument, während die „Böses“ beweisende Studie ein Schönheitsfehler ist, und dann doch kein Fehler, sondern nur noch Schönheit?

Viele Leute stellen sich vor, in den Vorständen der Tabakmultis arbeiten ganz böse Menschen, mit Alcapone-Fresse und großen, teuflischen Heifischzähnen. Schauen Sie sich den Kioskbesitzer um die Ecke an, ob er wie ein Massenmörder und Kinderfresser aussieht – er verkauft auch Zigaretten. Viele Millionen Menschen arbeiten für die und in der Tabakindustrie – Farmer, Fabrikarbeiter, Büroangestellte, Raucher, Nichtraucher, sogar religiöse Antiraucher wie meine Vorfahren. Und so wie äußerst selten ein Manager oder Arbeiter einer Autofabrik seinen Job verlässt, weil sie Killer- und Vergiftungmaschinen produziert, verlässt auch kaum einer seinen Job in der Tabakindustrie. Nichts tötet schneller als Armut.

WIEVIELE JAHRE, TAGE ODER STUNDEN LEBT EIN PASSIVRAUCHER WENIGER? KEINER WEISS ES.

Es interessiert mich überhaupt nicht, ob ich an Darmkrebs oder an Lungenkrebs sterben werde. Ich fahre viel mit dem Fahrrad, und eine Studie zeigte, dass Radfahrern ein erhöhtes Prostatakrebsrisiko droht, aber wer weiß, sterben sie alle mit 95? Was mich wirklich interessieren würde, ist, wieviel kürzer ein Passivraucher lebt als ein Nichtexponierter. Dafür konnte ich nie Daten finden, und wenn es welche gab, verschwanden sie vermutlich im Reißwolf. Wenn es abschreckende Daten gäbe, würden die ganz groß auf der Seite des DKFZ und der Antitabakgruppen stehen. Also entweder ermittelten die Studien, dass der Unterschied so klein ist, dass es peinlich wäre, die Ergebnisse zu veröffentlichen, oder es gab keine, und wenn es keine gab, warum? Ich kann mir nur eine Erklärung vorstellen: Man fürchtet eine nicht messbare Differenz.

Das DKFZ löst das Problem mit den fehlenden Daten für den durchschnittlichen Verlust an Lebenserwartung so: Man teilt mit, PASSIVrauchen ist ungesund, und in derselben Zeile sagt man dass RAUCHER 5,7 Jahre weniger leben. Nach demselben Prinzip könnte ich sagen: „Gestern wurde eine Bank überfallen, und es wird Zeit, dass wir dem Peter das Handwerk legen.“ Ich habe nicht behauptet, dass der Peter die Bank überfiel, ich legte nur zwei wahre Sätze zusammen (eine Auskunft und eine Meinung), die nichts miteinander zu tun haben, aber eben genau die falsche Information in die Welt setzen, die ich will. Und mit etwas Glück (für mich, wenn ich ihm schaden will oder was mit seiner Frau möchte) kommt Peter sogar hinter Gitter.

Keiner hat ein verbrieftes Recht, ein gewisses Alter zu erreichen. Der Mensch ist nicht nur eine irrsinnige Chemiefabrik mit Giften aller Art, sondern auch noch ein Riesenzoo, mit Würmern, Bakterien und Viren. Hunderte, tausende von genetischen und chemischen Faktoren, lebensverlängernd oder lebensverkürzend, plus etwas Glück oder Pech, bestimmen, wie lange ein Mensch leben wird. Also ist es kein langsamer Selbstmord, wenn man raucht, genauso wenig wie es Selbstmord ist, in Deutschland zu leben, statt nach Japan zu ziehen, wo die Lebenserwartung 3 Jahre höher liegt.

Vielleicht könnten wir noch älter werden, wenn wir kein Fleisch essen, auf dem Land und in der Nähe eines guten Krankenhauses leben, nicht nach Mallorca jetten – jeder Mensch ist bei einem Flug nach, sagen wir mal, Bangkok für die Verwandlung von 500 Liter Treibstoff in Luftgift verantwortlich – nur beim Hinflug. Da muss ein Raucher lange, lange, lange rauchen, um denselben Schaden zu verursachen. Die Frage ist, ob wir wirklich jeden Preis zahlen wollen, um richtig alt zu werden. Und der Konsens ist, dass wir das NICHT wollen. Auch nicht die meisten Antiraucher. Ich kenne nicht viele von ihnen, die aus Liebe zur Natur auf ihren Urlaub in schönen und warmen Gegenden verzichten und nur mit der Bahn fahren – wobei auch das nicht sehr umweltfreundlich ist, vom Standpunkt eines Menschen aus, der nur mit dem Fahrrad oder zu Fuß unterwegs ist.

Wirklich gefährlich ist selbstredend das Leben: Seit Sie diesen Text lesen, haben Sie schon 30 Minuten Ihres Lebens verloren, statistisch sind Sie Ihrem Tod eine halbe Stunde näher. Im Vergleich zu gestern sind Sie dem Tod einen ganzen Tag näher. Und wenn Sie deshalb schlaflose Nächte durchmachen, geht es vermutlich noch schneller.

DIE SUPERALTEN

Wenn man Studien über oder Biografien von Leuten liest, die das 110. Lebenjahr erreichten, merkt man ziemlich bald, dass man noch keine Geheimformel für Langlebigkeit gefunden hat. Der eine von denen schwört auf Faulheit, der andere auf Fisch oder Gemüse, Orangensaft, Olivenöl, Essiggurken, und mancher sogar auf Fastfood oder Schweinefleisch. Einer meinte, man sollte atmen – wo er recht hat, hat er recht. Alkoholiker sind natürlich keine dabei, Abstinenzler scheinen aber auch selten zu sein. Von 13 Leuten, die sich zum Thema Rauchen geäußert haben, waren 7 Nichtraucher und 6 Raucher, und wenn man bedenkt, dass fast oder über 90 % von ihnen Frauen sind, die Anfang des 20. Jahrhunderts aufgewachsen sind – eine Zeit, in der Frauen selten rauchten –, ist der Raucheranteil ziemlich hoch. Es sind andererseits selten richtige Kettenraucher dabei, meist sind es Wenig- oder Gelegenheitsraucher. Der älteste Mensch wiederum, für den es sichere Quellen gibt, war die Französin Jeanne Calment, die 122 Jare alt wurde und die bis zum 119. Lebenjahr rauchte – sie wurde dann blind und konnte die Zigaretten nicht mehr richtig anzünden. Der Japaner Shigechiyo Izumi wiederum, der (nicht ganz unumstritten) 120 wurde, fing mit 70 an zu rauchen. Wie auch immer, die Studien sprechen von vielen Faktoren, aber man erkennt darin eine Kombination aus Genetik, geistiger Gesundheit und vor allem Zufriedenheit mit dem Leben als Ursachen für die Langlebigkeit.

Auch wenn jemand eine Studie auftischen würde, die beweist, Passivrauchen ist in einem relevanten Maß ungesund, und noch erklären könnte, warum andere falsch lagen: Wenn Ärzte in den Medien apodiktisch von sich geben, dass die Schädlichkeit des Passivrauchens „unumstritten“ ist, ist das eine Lüge oder eine bewusste oder unbewusste Ignorierung der Tatsache, dass es genügend Experten gibt, die damit nicht einverstanden sind – meistens im Rentenalter, weil als Aktiver keiner seine Lizenz oder Forschungsgelder riskieren will.

Mit diesem ganzen „Marketing“ haben die Tabakkontrollinstitutionen mit der Hilfe der Pharmaindustrie ziemlich viel geschafft: Die meisten meiner Testleser glauben nach der Lektüre des obigen Kapitels, dass ich behaupte, Rauchen sei nicht ungesund. Dabei ging es in diesem Kapitel überhaupt nicht ums Rauchen, sondern um den Passivrauch. Leider ist für die meisten inzwischen Rauchen und Passivrauchen schon so nah beieinander, dass man beides nicht mehr trennen kann. Als wäre das Passivschweinefleischessen, das heißt das Einatmen des Furzes eines Schweinefleischessers, fast genauso schlimm wie das Schweinefleischessen selbst. Dabei ist mein Glaube an die Schädlichkeit des Schweinefleischs auch ein Vorurteil, ich habe es oft gehört, aber nie überprüft. Macht aber nichts, weil ich dadurch keine Schweinefleischesser kriminalisiere; mein Glaube schadet niemandem. Aber der Glaube der Antiraucher schadet den Rauchern. Ach so, ja, sie schaden mir nicht, sondern wollen mir nur helfen. Wie eben Bush den Irakern.

Quanta costa

Raucher sollen dem Statistischen Bundesamt zufolge den Staat Milliarden kosten, die Daten kommen aber vom DKFZ. Das tun wir mit Sicherheit, wir füttern zusammen mit den Nichtrauchern den Staat mit Geld, damit er unter anderem auf uns alle aufpasst, wenn wir krank sind. Die Nichtraucher kosten ungefähr doppelt so viel, weil sie doppelt so viele sind. Das schreibt das Statistische Bundesamt nicht, da waren sie schon müde.

Die große Mehrheit der Toten sind immer noch Nichtraucher, auch wenn sie proportional etwas weniger sterben – Beamte sterben vielleicht auch vor den Bauern, Singles vor den Verheirateten, Extremsportler vor Mathematiklehrern –, neu beim Disput Raucher gegen Nichtraucher ist, dass die angeblich länger Lebenden den kürzer Lebenden aus dem kürzer Leben einen Vorwurf machen. Dabei sind die typischen Rauchertodesarten wie Lungenkrebs ziemlich schnell bei der Arbeit, im Schnitt ist man nach einem halben Jahr weg vom Fenster, also ist ihre Behandlung vermutlich billiger. Und dadurch, dass sie statistisch statt 81 „nur“ 75 Jahre leben, sterben die meisten im Rentenalter, und so muss man ihnen die Rente von 6 Jahren nicht zahlen. Wenn alle Raucher mit dem Rauchen aufhören würden, müssten theoretisch alle 81 Jahre lang leben, dafür könnten die Rentenkassen kaum mehr als die Hälfte der Rentenbezüge zahlen, so würden alle wegen Armut deutlich weniger leben, und die Lebenserwartung bliebe insgesamt unverändert. Dazu mit weniger Lebensqualität.

Und was soll eigentlich das Ganze? Haben wir nicht einen sozialen Vertrag, durch den der Staat alle gleich behandelt? Gut- und Schlechtverdienende, ewig Kranke und Topfitte kriegen alle dieselbe Behandlung. Ginge auch nicht anders. Sollten wir anfangen, Plus- und Minuspunkte an jeden Bürger zu verteilen, für alle seine guten und bösen Taten, die er in seinem persönlichen Freundeskreis, seiner Gesellschaft, seiner Umwelt begeht, so dass man ihm im Rentenalter mehr oder weniger zahlt, je nach seinem Verhalten im ganzen Leben? Soll der Mensch dann Plus- und Minussterne am Revers tragen, damit man weiß, mit welchem Charakter man da zu tun hat? Kriegt einer, der schlechte Laune in einer Runde verbreitet, auch Minuspunkte? Schlechte Laune ist sicher ungesund, verursacht bei manchen sogar Magengeschwüre. Und wer soll diese ganzen Tugenden und Sünden überwachen und messen? Soll ich der Allgemeinsünderpunktebehörde in Flensburg melden, wenn mein Nachbar schon wieder mit dem Auto zur Ostsee fuhr und 100 oder 200 Liter Benzin in Luftgift verwandelte, oder weil er seine Frau angeschrien hat, was ihrer Gesundheit auch nicht gerade förderlich ist, oder weil er wieder skigefahren ist, was unsere Krankenkassen besonders belastet?

Vielleicht könnte man mit einem solchen System ein oder zwei Jahre bei der Lebenserwartung der Bevölkerung rausschinden, aber wenn es dann wie in Nordkorea aussehen soll, dann lieber doch nicht. Beim Rauchverbot ist es momentan für die Nichtraucher ganz und gar nicht wie in Nordkorea, aber auch Nichtraucher gehören zu Minderheiten in anderen Bereichen, und wer weiß, welche Minderheit als nächste dran ist.

Und so weiter

Nach den Verboten sieht man deutlich, dass die Nichtraucher bei weitem nicht die Verluste der abwesenden Raucher kompensieren können: Irland und England haben einen historischen Kneipentiefstand, die Pubs beklagen 20 % Verluste, allein im kleinen Irland haben nach den Angaben des gastronomischen Dachverbands 7500 Bedienstete ihren Job verloren, auf Deutschland hochgerechnet wären es 20-mal so viele. Wie viele Bedienungen krank werden, weil sie von der Arbeit schwitzend raus in die Kälte müssen zum Rauchen, interessiert die Gesundheitspolitiker nicht, sie „haben es nicht anders verdient“. Aber auch viele nichtrauchende Bedienungen verlieren ihren Job, dabei drückt die Armut die Lebenserwartung ungemein nach unten, die kettenrauchenden Japaner leben 82 Jahre, in manchen afrikanischen (und kaum rauchenden) Ländern lebt man im Schnitt 40 Jahre.

Im Gegensatz zu den Zahlen der Gastronomieverbände tauchen immer wieder Studien auf, die „zeigen“, dass Rauchverbote kaum negative Wirkung auf die Gastronomie haben. Ich denke mir nur, wer könnte da mehr Recht haben: Die Verbände sind die Vertreter der Gastronomie, sie SIND die Gastronomie sozusagen. Warum sollte sie so gegen Rauchverbote sein, wenn sie ihnen nicht schadet? Wenn Mensch A sagt, er kann keine Milch trinken, weil er davon Bauchschmerzen bekommt, und Mensch B daneben sagt, das stimmt gar nicht und Mensch A bekommt keine Bauchschmerzen vom Milchtrinken, wem soll man mehr Glauben schenken?

Vor Kurzem tauchte eine neue Studie auf, die zeigte, dass Rauchverbote eine kaum negative Wirkung hatten auf die Gastronomie. Natürlich ist der Verlust in Deutschland minimal – nicht wegen der Rauchverbote, sondern weil die vielen Kneipen, die wegen Rauchverboten zumachen würden, noch Raucherkneipen sind. Was nicht heißt, dass alle Lokale bei Rauchverboten Verluste machen. Der Gastronomieverband hatte nach einer Umfrage festgestellt, dass bei ca. der Hälfte (vermutlich meistens Speiselokale) die Geschäftslage unverändert blieb, bei ca. 10 % sogar besser wurde und bei ca. 40 % (vermutlich eher Eckkneipen) schlechter. Also würden die meisten Kneipen nicht wieder auf Raucher machen, aber mehr als es jetzt sind.

Ist es nicht höchst arrogant, den Wirten mit ihren Jahrzehnten Erfahrung erklären zu wollen, was für ihr Geschäft besser ist?

Nichtrauchende Bedienungen sollten geschützt werden, und für sie waren nicht genug Nichtraucher-Arbeitsplätze. Die Gastronomie war relativ träge, aber ein Verbot wie in Spanien, bei dem der Normalzustand plötzlich Nichtraucher war und man sein Lokal als Raucherlokal deklarieren musste, zeigt, dass das geht. Die meisten blieben Nichtraucher, und so wären genügend Arbeitsplätze für nichtrauchende Bedienungen, die nicht mitrauchen möchten.

Natürlich kann man sich über solche Zahlen totdiskutieren. Eine befreundete Studentin, die auch als Kellnerin jobbt, argumentierte, Millionen Aschenbecher müssen nicht mehr gewaschen werden, eine große Entlastung für die Umwelt. Wenn wir alle Lokale schließen, umso mehr, sollen wir das tun? Wenn wir diesem unseren Planet einen spürbaren Gefallen tun wollen, sollten wir uns alle erst mal gegenseitig erschießen. Auf der positiven Seite der Rauchverbote hätte man das Argument, die Antiraucher müssen nicht mehr einen Kilometer bis zur nächsten Kneipe gehen, um ein Nichtraucherlokal aufzusuchen, sondern müssen nur noch 100 Meter gehen. Negativ: Sie bewegen sich weniger und sterben somit früher. Positiv: Der Raucher stirbt später, weil er länger gehen muss. Negativ: Er stirbt dann doch früher, weil er sich bei der Kälte vor der Tür manchmal eine Lungenentzündung einfängt. Und natürlich verursacht das Rauchen manchmal Auto-Unfälle. Chips, Radio, Schokolade – alles in einem Auto kann Unfälle verursachen. Vor allem das Auto selbst – auch verbieten? Man kann Dutzende, vielleicht Hunderte Argumente dafür finden, wie auch dagegen. Die Schlussfolgerung wäre, dass eine klare Schlussfolgerung nicht zu finden ist, also lassen wir es sein. Oder man sagt, O.K., viele Nichtraucher fühlen sich gestört, sie brauchen mehr Raum. Sollen sie haben. Aber warum gleich alles?

Früher hatte man Religiosität mit Gott, jetzt hat man Religiosität eben ohne Gott. Lange Zeit konzentrierte sich der Glaube auf die Religion, in den letzten 200 Jahren auf politische Ideologien und nun auf die Gesundheit. Die Bewegung hat einen religiösen Charakter mit Tabus und festgeschriebenen Wahrheiten, die nicht angezweifelt werden dürfen. Ihr Motor ist nicht die eigene Gesundheit, sondern der Versuch, dem Rest der Welt die eigene Vorstellung vom Glück aufzuzwingen, und die Wut auf diejenigen, die diese Vorstellung von Glück nicht teilen wollen. Wie könnte man sich anders erklären, dass sie es auch da verbieten, wo kein Nichtraucher geschützt werden muss, zum Beispiel in einem Taxi, in dem ein rauchender Fahrer und ein rauchender Fahrgast sitzen? Sie verbieten es in Diskos, sie selber gehen schon seit langem nicht mehr hin, aber können besser schlafen, wenn sie wissen, dass die Raucher in der Kälte stehen. Viele von ihnen haben kein Problem damit, wenn die Kneipenszene vor die Hunde geht, wenn man wie in den angelsächsischen Ländern nur noch eine Take-away-Gesellschaft hat. Sie wollen die Plage tilgen, das Gesocks abschaffen, sie wollen eine saubere Welt, sie wollen Einfamilienhäuser, Gartenlauben. Von mir aus können sie ihre parfümierte Einkaufszentren genießen, so oft sie wollen, sie können auch ein eigenes Oktoberfest veranstalten, mit Rucolasalat und Kamillentee. Meine Idee von Spaß ist etwas anders, trotzdem käme ich nie auf den Gedanken, für das Verbot von Nichtraucherlokalitäten zu demonstrieren.

Manche Protestierenden tragen inzwischen T-Shirt mit der Aufschrift ‚Raucher‘ und einem gelben Stern. Den Juden (zumindest den Funktionären) und vielen anderen gefällt der Vergleich nicht. Klar ist es etwas anderes, aber manche Parallelen tun sich da schon auf: In einer belgischen Schule müssen schon Raucher mit einem Anstecker herumlaufen, auf dem eine Raucherlunge abgebildet ist. Ansonsten müssen Raucher keine gelben Sterne am Revers tragen, müssen aber immerhin in den Bahnhöfen in gelben Quadraten eingepfercht bleiben. Auch wenn Aussonderungen jeweils einen ganz anderen Verlauf haben können, sind ihre Strukturen ähnlich. Manche Leute sind sauer, wenn man von einer Parallele spricht, weil man dann sie mit den Deutschen der dreißiger Jahre vergleicht. Und die waren ja bös. Aber die waren nicht böse, die waren genauso ein Teil einer Glaubenswelle wie die Leute heute, nicht anders als im McCarthyismus. Manche Welle ist mörderischer als andere, aber sie teilen manche Eigenschaften, zum Beispiel machen sie keine halben Sachen, sie attackieren den Feind in seiner Ganzheit: Die Juden seien Schädlinge der deutschen Wirtschaft, die Kommunisten schadeten unserer Freiheit, die Moslems unserer Sicherheit, die Raucher unserer Gesundheit. Die Juden hätten nach Knoblauch gestunken, die Moslems täten es immer noch, wonach Raucher stinken, wissen wir ja schon. Sie sind auch alle hässlich, die Juden hätten krumme Nasen, die Kommunisten Teufelsaugen, die Raucher schlechte Haut. Die Juden hätten kleinere Hirne, also seien sie dümmer, aber beherrschten als kleine Minderheit mit bösen Tricks die deutsche Wirtschaft (und nach Meinung mancher Zeitgenossen die ganze Welt). Die Kommunisten wollten, dass wir Trabi fahren, die Moslems, dass wir zur Hölle fahren, und die Raucher wollen, dass das so schnell wie möglich passiert. Halbe Beweise reichen, um zur Attacke überzugehen. Wie George Bush und Donald Rumsfeld sagten: „Wenn wir warten, bis wir den endgültigen Beweis für die Massenvernichtungswaffen im Irak finden, dann wird es zu spät sein.“ Warum sollte der Irak gefährlich sein, der eine 1000mal kleinere Wirtschaft als die USA hat und dessen Armee ein Jahrzehnt zuvor halb zerstört wurde? Aber die Regierungspropaganda schafft es, aus dem Irak für das US-amerikanische Publikum ein gefährliches Land zu machen, und man schafft es auch, aus den Rauchern eine gefährliche Volksgruppe für das westliche Publikum der Nichtraucher zu machen.

Einmal war ich in einer Talkshow, der Moderator fragt zuvor, ob ich während der Sendung rauchen will, ich sage, dass ich das gern täte. Er wollte dafür sorgen, dass man mir einen Aschenbecher bereitstellt und vergaß es. Während der Talkshow vergaß ich zu schauen, ob ein Aschenbecher da war und hab mir eine angezündet. Ich merkte bald, dass kein Aschenbecher da war und nahm ein leeres Glas zum Aschen. Danach habe ich Proteste von Freunden gehört (sogar von Rauchern), die die Sendung gesehen hatten: Sie fragte mich, ob ich bei Trost wäre. Wie kann ich nur eine Zigarette in einem Fernsehstudio anzünden? Man sieht Dutzende von Toten an einem Abend im Fernsehen, zersägte, gefolterte, von Kugel zersiebte Leichen, ganz zu schweigen von Filmen und Comedies, die höchstens Zuschauer mit einem IQ von einer Sonderschul-Henne unterhalten könnten, was die Leute aber aufregt, ist, dass einer im Studio raucht. Das ist für mich Religion. So wie der Papst in Afrika: Die Leute sterben an AIDS, Kriegen, Armut, aber was ist seine große Sorge? Dass die Leute Kondome benutzen, eine Sünde!

In München haben die 30 % Raucher 0,3 % der öffentlich zugänglichen Räume, und 11 % der gastronomischen Betriebe. Also alles nicht so tragisch, wir haben noch einen Rest von Rückzugsgebiet, könnte man meinen. Aber die Antiraucher haben ihr Gotteswerk noch nicht ganz vollbracht. Da draußen sind hunderte, wenn nicht tausende Antirauchorganisationen und Menschen in wichtigen Positionen, die dafür plädieren, das Rauchen gänzlich zu verbieten – der Umweg über Verbote in der Wohnung, im Auto, auf der Straße dauert ihnen zu lang. Sie wollen uns als Junkies abgestempelt sehen, arme Hunde am Rande der Gesellschaft. Sie glauben, die Gescheiten unter den Rauchern werden zur Räson gebracht und gehen den Weg der Tugend, die anderen nennen wir Kriminelle. So eine Sache kann wie ein Tumor wachsen: Krieg gegen Übergewichtige, Alkohol, Extremsportler, Sportler, Sitzende. Manche Antiraucher, die mit Freude in der Menge waren, die die ausgesonderte Gruppe zertrampelt, werden sich weniger freuen, wenn sie selber unter den Zertrampelten sind.

Leider spielt ihnen die Zeit in die Hände. Die schwarzen Wolken eines Sicherheits- und Gesundheitsmittelalters sind nicht zu übersehen, aber immerhin wird es vermutlich ein Mittelalter mit Einkaufszentren sein. Nie waren die Kontrollen auf den Flughäfen so scharf, obwohl viel weniger Flieger entführt werden als in den siebziger Jahren, zum Beispiel. In Brasilien wird es allmählich schwer, als Raucher noch eine Wohnung oder Arbeit zu kriegen, und eine Studentin ist aus der Uni wegen ihrem Minirock geflogen – was kommt als Nächstes, Korsettzwang an der Copacabana? In den USA die Sprachpolizei der politischen Korrektheit, teilweise darf man nicht mehr „shit“ oder „fuck“ am Arbeitsplatz sagen, es gibt teilweise in Behörden und Restaurants Parfum- und Deoverbot, Belgien wie auch Frankreich verbieten die Burka, die Schweiz die Minarette, in den Wiener Trambahnen darf man nicht mehr essen, nach dem Motto „1 Leberkäs-Esser, 40 Mitriecher!“ – gab es und gibt es nicht größere Probleme für die Menschheit als der Geruch von Essen? Brüssel empfiehlt Hotlines für Raucherdenunziationen, Schauprozesse gegen prominente Raucher. Schokozigaretten sollen verboten werden, weil sie manchmal die „Einstiegsdroge“ für die normalen Zigaretten sind. Soll man die Milch auch verbieten, weil alle Junkies in ihrer Kindheit Milch tranken? Das Gesundheitsministerium möchte durchsetzen, dass an Biergläsern und dergleichen der Hinweis auf die Schädlichkeit hingepappt wird, ein Werbeverbot für Alkohol (so ist es auch bei den Zigaretten losgegangen) und 0 Promille sind auch im Gespräch. In Bayern können nach dem neuen Versammlungsgesetz 2 Menschen als unangemeldete Demo belangt werden, in einer ostdeutschen Stadt herrscht Knutschverbot in der Öffentlichkeit. Die neuen Autos wollen mit ihrem penetranten Piepsen die Leute dazu zwingen, sich die Sicherheitsgurte anzulegen, was normalerweise kein Problem ist, aber für Zeitungsausträger, die alle 20 Meter aussteigen müssen, eine Folter. Was kommt als Nächstes? Sprechverbote beim Fahren, weil immer wieder Unfälle wegen Diskussionen passieren?

Manche Freunde sind verwundert, dass ich, der nie besonders politisch engagiert war, ausgerechnet gegen die Volksgesundheit aktiv werde. Mir ist aber wurscht, ob in 10 Jahren die Lebenserwartung um ein oder zwei Jahre steigt, und ob die Raucher an Lungenkrebs oder Nichtraucher an Prostatakrebs sterben. Ich mache mir mehr Sorgen um den Tumor des Hasses und die Paranoia, die mitten in unserer Gesellschaft ausgebrochen ist und weiter wächst. Ja, tragisch, tragisch. Ich glaube, ich bin reif für die Telenovela.

Lass sie leben, wie sie beben
Lass sie schmauchen, wenn sie rauchen
Lass sie sterben, wann sie wollen
Lass sie küssen, wenn sie müssen